Fanhilfen kritisieren Beschlussvorschlag für Innenministerkonferenz

Auf der anstehenden Innenministerkonferenz (IMK) vom 04. bis 06. Dezember 2019 in der Hansestadt Lübeck sollen erneut Gesetzesverschärfungen gegen Fußballfans beschlossen werden ( https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/fussball-pyrotechnik-innenminister- fahrerlaubnis-entziehung-landfriedensbruch-stadion-stoerer/?r=rss ). Die IMK soll demnach unter anderem eine härtere Bestrafung des Abbrennens von Pyrotechnik, eine Reformierung des Landfriedensbruchs sowie den Entzug der Fahrerlaubnis bei Vergehen im Zusammenhang mit Fußballspielen beschließen. Die Fanhilfen kritisieren allein die Debatte über derlei Maßnahmen als realitätsfremd, unverhältnismäßig und rechtswidrig.

Derbyinfos

NOTFALLNUMMER: 0176/45604251

Kleeblattfans,

das 265. Frankenderby steht vor der Tür. Eigentlich ein Fränkisches Fußballfest, das selbst Tante Helga aus den Socken haut. Wären da nicht unsere Sicherheitsbehörden der Stadt und Polizei, welche freilich nur Recht und Ordnung im Sinn haben und bereits vor dem Spieltag Muskeln in Form von Betretungsverboten zeigen.

Seit dieser Woche haben wir nun die Gewissheit, dass etlichen Kleeblattfans die Bescheide von der Stadt Fürth zugesellt wurden. Da dieser Umstand nicht bereits schikanös und willkürlich genug erscheint, wurden sämtliche Briefe der Stadt persönlich durch die Polizei an die Betroffenen übersendet und am späten Abend bzw. frühen Morgen an deren Haustüren geklingelt. Wie angekündigt, behalten wir uns noch in dieser Woche rechtliche Schritte vor und halten euch diesbezüglich auf dem Laufenden.

Ansonsten gilt für Sonntag:
– Lasst euch nicht von der Polizei/USK provozieren und versucht möglichst ruhig zu bleiben
– Bei einer Personalienkontrolle sind lediglich folgende Angaben zu machen: Vor- und Nachname, Adresse, Wohnort, Familienstand und Arbeitsverhältnis (Schüler, Student, Angestellter,…). Ansonsten gilt: Keine Aussage gegenüber der Polizei!
– Bei einer Festnahme gilt: Bewahrt Ruhe! Ihr habt das Recht während einer Ingewahrsamnahme eine Person eures Vertrauens, einen Anwalt oder einen Angehörigen telefonisch zu verständigen. Wir raten dazu, dass ihr euch unter unserer Notfallnummer meldet. Wir haben am Sonntag für euch Anwälte in Bereitschaft, die euch im Fall der Fälle unterstützen können. Während des Telefonats gebt ihr bitte folgendes an: 1) euren Ort, 2) Was wird euch zur Last gelegt? 3) Ggf. Kontaknummer der Dienststelle auf der ihr euch befindet.
Selbstverständlich sollt ihr uns auch kontaktieren, wenn ihr von anderen Kleeblattfans mitbekommt, dass diese verhaftet wurden.
Die Notfallnummer lautet: 0176/45604251
– Handynutzung: Wie immer gilt keinerlei strafrechtlich relevante Daten auf euren Handys zu speichern. Am Telefon sind keinerlei Dinge zu besprechen, die ihr oder ein Freund oder wer auch immer gemacht haben sollt/soll. Denkt daran, dass die Sicherheitsbehörden insbesondere an solchen Brisanzspielen immer mithören können. Löscht zudem regelmäßig eure Chatverläufe, wenn ihr euch unsicher sein sollet. Schaden kann es nie!
Unsere ausführliche Infobroschüre könnt ihr euch auch immer hier runterladen:
http://hilfefonds.de/wp-content/uploads/2016/06/hilfefonds-infobroschüre_3.auflage.pdf


Ansonsten wünschen wir allen Kleeblattfans einen möglichst stressfreien Derbytag und natürlich den Derbysieg!


Euer Weiß-Grüner Hilfefonds


Notfallnummer: 0176/45604251 (Die Nummer gehört einem Mitarbeiter des Fanprojekts, mit welchen wir am Spieltag eng kooperieren. Oftmals kann er euch direkt helfen, ansonsten steht er in Kontakt mit unseren Anwälten. Wir halten steten Austausch untereinander.)

Stellungnahme zu den angedrohten Betretungsverboten für das anstehende Frankenderby

Nachdem wir nun die etlichen Schreiben der Stadt Fürth, die damit droht Betretungsverbote für Kleeblattfans während dem anstehenden Frankenderby auszusprechen, sichten konnten, möchten wir uns im Folgenden ausführlich zu diesem Sachverhalt äußern.

Stadt Fürth droht mit Betretungsverboten für Kleeblattfans vor dem Frankenderby

Wie uns heute mehrere Kleeblattfans berichteten, bekamen diese Post von der Stadt Fürth, in welcher Gelegenheit zur Anhörung eines drohenden Betretungsverbots zum Spiel SpVgg Fürth gegen den 1.FCN gegeben wird. Da wir in Fürth in der Vergangenheit gute Erfahrungen ohne Betretungsverbote gemacht haben, verwundert es uns als Fanhilfe nun sehr, dass dieses Verständnis seitens der Stadt Fürth nun seit der Saison 2019/20 aufgegeben wurde. Stattdessen scheint sich die Stadt in Person des Amtes für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz vielmehr auf die andernorts willkürliche und schikanöse Praxis von Betretungsverboten zu konzentrieren. Nachdem bereits Fans des SSV Jahn Regensburg beim Auswärtsspiel in Fürth am 18.8.19 Betretungsverbote erhalten haben, droht die Stadt nun mit Ähnlichem gegen Kleeblattfans.

Nach Sichtung einzelner Androhungsschreiben können wir bereits jetzt feststellen, dass die Stadt Fürth mit völlig haltlosen und willkürlichen Anschuldigungen, durch die von der Polizeidirektion Fürth bereitgestellten Daten argumentiert. Wir fordern nunmehr die Stadt Fürth dazu auf die angedrohten Betretungsverbote unverzüglich zurückzuziehen! Zudem prüfen wir derzeit mit unseren Anwälten rechtliche Schritte.

Weiterhin bitten wir alle Kleeblattfans, die ein solches oder ähnliches Schreiben der Stadt Fürth erhalten haben, sich bei uns zu melden. Somit bekommen wir einen besseren Überblick und können individuell beurteilen, wie ihr ggf. dagegen vorgehen könnt. Wir werden uns in den nächsten Tagen ausführlich zur Sachlage äußern und wünschen vorab allen Kleeblattfans viel Durchhaltevermögen.

Kleeblattfans sind solidarisch!

Unterstützung der Proteste gegen das neue PAG in Baden-Württemberg

Auf Einladung des Commando Cannstatt 1997 durfte der Weiß-Grüne Hilfefonds am 12.10.19 auf der Demonstration gegen das neue Polizeiaufgabengesetz in Baden-Württemberg einen Redebeitrag beisteuern. Vor rund 1000 Aktivisten konnten wir unsere aktuelle Situation in Bayern sowie die Anwendung des bayrischen PAG im Kontext von Fußballspielen beleuchten. Im Folgenden dokumentieren wir unseren Redebeitrag. Weitere Links zu diesem Thema findet ihr ebenfalls im Anhang. NoPolGBW!

Offener Brief der Fanhilfen an das bayrische Innenministerium

Am 03.09.2019 werden die Geschäftsführer und Sicherheitsbeauftragten der bayerischen Profifußballvereine mit Vertretern des bayerischen Innenministeriums zusammenkommen, um sich über sicherheitsrelevante Themen im Rahmen von Fußballspielen auszutauschen.

In den vergangenen Jahren wurde in der öffentlichen Berichterstattung und durch Äußerungen von Politikern teilweise der Eindruck vermittelt, der Stadionbesuch sei mit Gefahren für Leib und Leben verbunden. Es wurde des Öfteren eine neue Dimension von Gewaltkriminalität heraufbeschworen. In regelmäßigen Abständen werden noch härtere Strafen für „die sogenannten Fans“ gefordert, abstruse Sanktionen, wie beispielsweise Führerscheinentzüge, umgesetzt und ganze Fanlager kriminalisiert. Insbesondere aktive Fußballfans werden häufig als Gefahr für den „normalen“ Stadionbesucher dargestellt.

Polizeieinsatz beim Spiel SpVgg Fürth vs. Jahn Regensburg

Wer am Sonntag um und im Sportpark Ronhof das Spiel unserer Spielvereinigung Fürth gegen den SSV Jahn verfolgt hat, ist durchaus Gefahr gelaufen einem Déjà-vu zum Opfer zu fallen. Bereits im Vorfeld hatten wir darüber berichtet, dass die Ordnungsbehörden dieses Spiel als ein „Rotspiel“ eingestuft hatten. Anlass hierzu waren die Vorfälle beim vergangenen Kärwaspiel gegen den Jahn (siehe: http://hilfefonds.de/2018/10/09/vorfaelle-beim-spiel-spvgg-fuerth-jahn-regensburg/), die erwartungsgemäß nicht selbstkritisch von der Polizei aufgearbeitet wurden. Vielmehr stand an diesem Spieltag der böse Fußballfan im Fokus, sodass die Sicherheitsbehörden nun erneut die höchste Alarmbereitschaft ausgerufen und die Anzahl der eingesetzten Polizisten im Vergleich zu unserem Heimspiel gegen Regensburg im Oktober 2018 noch einmal erhöht hatten. Leider erreichte uns zusätzlich die Nachricht, dass sich die Stadt Fürth auf Druck der Polizei auf neues Terrain begab und acht Betretungsverbote für Fans aus Regensburg aussprach.

Kleeblattfans von USK-Beamten verfolgt und bedrängt

USK-Bus verlässt fluchtartig die Szenerie
USK-Bus verlässt fluchtartig die Szenerie
Wie Kleeblattfans dem Weiß-Grünen Hilfefonds berichteten war am Abend des 26.7.19 gegen 20:30h eine Gruppe dieser nach dem Feierabend auf dem Weg in Richtung Stadtteil Ronhof. Auf Höhe der Julius-Hirsch-Halle bemerkte die Gruppe, dass neben ihnen im Auto ein VW-Bus, besetzt mit USK-Beamten an der Ampel hielt und diese gezielt den Blickkontakt suchten. Der VW-Bus verfolgte das Auto mit den Kleeblattfans auf dem gesamten Nachhauseweg bis in die Nähe des Sportpark Ronhof. Während das Auto der Kleeblattfans parkte, fuhr das USK erneut neben den parkenden Wagen und provozierte die Fans mit den Worten „Lasst euch nicht mit uns ein.“ Während dessen wurden die Fans zwischen ihrem Wagen und dem des USK kurzzeitig eingekesselt. Weiterhin wurde dem Weiß-Grünen Hilfefonds zugetragen, dass dieses Szenario ohne ersichtlichen Grund mehrmals durchgeführt wurde. Als die betroffenen Kleeblattfans die Situation zu Dokumentationszwecken digital festhalten wollten, versuchten die Beamten urplötzlich den Ort des Geschehens zu verlassen. Wir als Fanhilfe deuten dies als vorzeitige Provokation und Schikane seitens des bayrischen Unterstützungskommandos, welches nichts anderes zum Zweck hat als Fußballfans der Spielvereinigung bereits vor Beginn der Saison am morgigen Sonntag einzuschüchtern. Diese Verhaltensweise seitens des bayr. USK reiht sich nahtlos an die bestehenden Verhaltensmuster und Gängelungen der vergangenen Jahre ein.
Wir als Hilfefonds werden den betroffenen Kleeblattfans natürlich zur Seite stehen und das Verhalten der Polizei auch in dieser Saison genau unter die Lupe nehmen. Entsprechend werden wir gemeinsam mit unseren Fananwälten während den Spieltagen die Szenerie beobachten, nachbereiten und ggf. rechtliche Schritte einleiten.
Auf einen entspannten Saisonauftakt. Kleeblattfans sind solidarisch!

Saisonrückblick 2018/19

Die Saison 2018/19 ist Geschichte. Rückblickend hat unser Kleeblatt rein sportlicher Natur nun wahrlich keine Bäume ausgerissen. Ausnahmen wie das Pokalspiel gegen Dortmund oder auch das vergangene Heimspiel gegen Berlin gab es zwar, insgesamt bleibt jedoch eine Saison in den Köpfen, die zu Beginn von größerer Hoffnung geprägt war. Die anstehende Sommerpause lässt Raum für Rückblicke, Auswertungen und auch Ausblicke. Für uns als Fanhilfe ist es somit ebenfalls passend die vergangene Spielzeit einmal Revue passieren zu lassen. Etliche laufende Fälle lassen uns unter die  Saison 18/19 jedoch wie so oft keinen Schlussstrich ziehen. Neben diversen Aktionen wie den 2. Fürther Fanrechtetag, einem erweiterten Infostand als auch organisatorischer Neuerungen innerhalb des Hilfefonds, konnten wir durch Spenden der Mitglieder erneut etlichen Kleeblattfans nicht nur finanziell zur Seite stehen. Wir haben auch rückblickend wieder einige neue Mitglieder gewonnen und aufgrund unserer Öffentlichkeitsarbeit auf die Sinnhaftigkeit und Hintergründe unserer Arbeit aufmerksam machen können. Neben diverser Zeitungsartikel über unsere Fanhilfearbeit konnten wir in diesem Jahr eine erste Landtagsanfrage in München stellen, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Datenspeicherung und Überwachung von Fußballfans respektive in Bayern beschäftigte. Im Zuge der Veränderung des bayrischen Polizeiaufgabengesetzes wird dabei jedoch noch weiterer Raum für Diskussionen geöffnet, sodass wir uns diesem Thema zukünftig im Besonderen widmen möchten.

Landtagsanfrage der fränkisch/bayrischen Fanhilfen durch den Landtagsabgeordneten Geißenberger vom 12.2.2019

Die fränkisch/bayrischen Fanhilfen haben durch deren Zusammenarbeit über die Landtagsfraktion der Grünen eine kleine Anfrage an die bayrische Landesregierung gestellt. Dabei war es uns wichtig inwieweit Fußballfans als Gefährder eingestuft werden, worauf mögliche Funkzellenabfragen basieren oder auch welche Speicherfristen die Polizei für personenbezogene Daten verwendet. Die gesamte Anfrage inkl. Antworten findet ihr im Anhang.

Landtagsanfrage.pdf